Home > Kultur, Politik > Sendeschluss beim WDR

Sendeschluss beim WDR

Vor ein paar Tagen habe ich es bei Heise gelesen und habe mich für einen Moment geweigert, es zu glauben: bei meinem analogen Kabelanschluss wird WDR Fernsehen abgeschaltet!

Ich bin ein erklärter Freund des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Natürlich ist dort nicht alles perfekt – auf dumpfe Volksmusiksendungen und überteuerte Sportübertragungsrechte kann ich gut verzichten. Aber wenn es um Nachrichten, Reportagen, Dokumentationen geht, sind die öffentlich-rechtlichen Programme ohne Konkurrenz.

Grund für die Abschaltung: Die seit Jahrzehnten verwendeten Kanäle S04 und S05 verursachen plötzlich angebliche Störungen und müssen entfallen – so will es die Bundesnetzagentur. Damit ist weniger Platz für analoge Sender im Kabel, die Programme werden umsortiert und ein Sender fliegt raus. Bei Kabel Deutschland soll das ein drittes Programm sein, hat irgend jemand entschieden. Je nach Bundesland ein anderes. In Bayern hat man den WDR für verzichtbar erklärt.

Abenteuer Erde und Wunderschön bringen mir die Welt nach Hause – irrelevant? Aktuelle Stunde und besonders die Lokalzeit verbinden mich mit meiner alten Heimat – egal? Quarks & Co, Markt und die Kultsendung Zimmer frei – weg damit?

Die Senderbelegung listet derzeit bei mir 38 analoge Kanäle. Darunter finden sich z.B. die Kommerzsender 9live, HSE24, QVC, sonnenklar.tv und 1-2-3-tv. Warum diese Perlen nicht gestrichen werden? Sie lassen sich ihre Einspeisung in das Kabelnetz viel Geld kosten, was sie vorher dem Zuschauer aus der Tasche gezogen haben.

Das liebe Geld: Die öffentlich-rechtlichen Programme bekomme ich nicht umsonst. Stattdessen zahle ich Rundfunkgebühren – hier steht, warum. Und jetzt offenbart sich das Unverschämte an dem ganzen Vorgang: Ich darf den WDR zwar über meine Gebühren weiterhin mit finanzieren, aber das Programm soll ich nicht mehr sehen.

Also muss irgendeine Abhilfe her. Fernsehen wird heutzutage ja über verschiedenste Wege verbreitet.

  • Mit dem analogen Kabelfernsehen war ich bisher völlig zufrieden, aber WDR soll entfallen.
  • Satellitenfernsehen ist in einer Mietwohnung unerwünscht. Eine Bastellösung (z.B. Schüssel unsichtbar auf dem Balkon) scheidet aufgrund der örtlichen Begebenheiten bei uns aus.
  • DVB-T wurde bei seiner Einführung hoch gelobt, sendet aber mit einer unterirdischen Qualität (ich sage immer „Klötzchen-TV“). Das würde ich zwar hinnehmen, aber WDR wird hier nicht terrestrisch ausgestrahlt.
  • IP-TV wird von einer übersichtlichen Zahl von Firmen angeboten, ist recht teuer und störanfällig – nein, danke.
  • Es bleibt noch: digitales Kabelfernsehen.

Für digitales Kabelfernsehen benötige ich entweder einen neuen Fernseher oder einen separaten Receiver. Beides kostet Geld (und eigentlich habe ich für den WDR ja bereits bezahlt). Der Nutzen hält sich in Grenzen, den HDTV bekomme ich damit in meinem Haus nicht. Zwar hat man uns vor ein paar Jahren die Wände aufgebohrt, um ein Leerrohr für digitaltaugliches Kabelfernsehen einzuziehen, aber dabei ist es dann auch geblieben.

Vielleicht sollte ich – statt fern zu sehen – lieber mal wieder ein gutes Buch lesen.

Teilen