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Nicht kritikfähig

General McChrystal, der Kommandant der NATO-Truppen in Afghanistan, ist sich inzwischen sicher: bei dem von der Bundeswehr angeforderten Luftangriff sind Zivilisten ums Leben gekommen. Bundesverteidigungsminister Jung hingegen weist die internationale Kritik zurück und bezeichnet das Vorgehen der Bundeswehr als „professionell“. Auch die genaue Zahl der Opfer ist unklar. Vielleicht wird nie genau ermittelt werden können, wie viele Menschen bei dem Angriff getötet wurden und wie viele davon Zivilisten waren.

[UPDATE: Die Nato geht von 125 Opfern aus, mindestens zwei Dutzend Tote sollen Zivilisten gewesen sein.]

Jung sagt: „In diesem konkreten Fall war der Schlag dringend geboten.“ Es wird angeführt, die Tanklastzüge hätten für Selbstmordanschläge verwendet werden können. Wie das allerdings gehen soll, wenn die LKW in einem Flussbett feststecken,wird nirgendwo erklärt. Die Bundeswehr gibt an, die Lastwagen mit einer Drohne verfolgt zu haben und 67 Taliban in der Nähe ausgemacht zu haben. Nun  tragen Taliban keine Uniformen. Woran hat die Bundeswehr also erkannt, dass keine Zivilisten unter den Personen waren?Die Medien sind sich uneins, aber ich stelle mir die Ereignisse inzwischen ungefähr so vor: Taliban entführen zwei Tanklastzüge, kommen damit aber nicht weit, weil sie sich in einem Fluss festfahren. Also will man so viel Treibstoff wie möglich abzapfen. In den anliegenden Dörfern spricht sich das Ereignis schnell herum; Brennstoff ist knapp und teuer, also strömen die Menschen mit Gefäßen herbei und zapfen sich so viel ab, wie sie tragen können. Unterdessen hat sich ein Bundeswehrkommandant extrem angepisst gefühlt und einen Luftschlag angefordert. Im Vertrauen darauf, dass – wie gemeldet – wirklich nur Taliban in der Nähe sind, fliegt die US-Luftwaffe einen Luftangriff.

Es sieht also so aus, also ob die Bundeswehr Mist gebaut hat. Dass Jung das zugibt, braucht man indes nicht zu erwarten.

Die ersten Folgen haben nicht auf sich warten lassen: Schon wenige Stunden nach dem Angriff wurde ein Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr verübt und weitere Racheakte sind angekündigt. Kein Wunder, denn mit solchen Aktionen macht man sich nicht sehr beliebt. Wie viele Sympathisanten mögen die Taliban wohl unter der afghanischen Zivilbevölkerung dazu gewonnen haben?

Mit jedem derartigen Vorfall wächst das Risiko, den Terror in unser Land zu holen. Wer weiß, vielleicht ist das ja gewollt, um die Totalüberwachung der Bevölkerung zu rechtfertigen. Oder Herr Jung wartet auf eine Gelegenheit, um ein Flugzeug abschießen zu lassen. Ich hingegen würde mich sicherer fühlen, wenn wir gar nicht erst durch solche Aktionen den Hass anderer Menschen auf uns provozieren würden.

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