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Achtundsechzig-zwo-null?

Vor einigen Tagen fesselte mich ein Artikel in der Zeit: Vorsicht, Opposition! Autor Tillmann Prüfer ließ Politiker, Aktivisten und Wissenschaftler zu Wort kommen. Sein Fazit:

Deutschland hat eine neue Apo. Eine neue außerparlamentarische Opposition.

Das hat mich neugierig gemacht. Die 68er haben die Gesellschaft nachhaltig verändert. Hat die neue Protestbewegung vierzig Jahre später dieselbe Chance?In der Tat ähneln sich einige Rahmenbedingungen so stark, dass man auf den Gedanken kommen könnte, die Jahrzehnte hätten voneinander abgeschrieben.

  • Damals wurde der Konflikt zwischen den verschiedenen politischen Systemen in Vietnam und anderswo ausgetragen; heute wird der „Krieg gegen den Terror“ zum Beispiel in Afghanistan und dem Irak geführt – aber auch im Inneren.
  • Damals wie heute regierte in Deutschland eine große Koalition, die unbeeindruckt von massiven Protesten gravierende innenpolitische Verschärfungen beschloss. Während die Notstandsgesetze in den sechziger Jahren aber nur eine abstrakte Bedrohung darstellten, ist von Vorratsdatenspeicherung und Internetzensur heute jeder Bürger direkt betroffen.

Die Ignoranz der älteren Generation führte damals zu dramatischen Ereignissen, die Deutschland für mehr als ein Jahrzehnt erschütterten. Was mit friedlichen Protesten begann, eskalierte zu massiven Unruhen – nicht zuletzt, weil man den Argumenten der jungen Generation mit dem Polizeiknüppel entgegentrat. Ein Teil der Bevölkerung ging in den Untergrund; letztlich fand die Situation im deutschen Herbst ihren Höhepunkt.

Schließlich bekam die Generation der 68er dann doch vieles von dem, was sie forderte.

Viele führende Politiker stammen aus der Generation der 68er. Wie wenig haben sie aus ihrer eigenen Geschichte gelernt, wenn sie ihrerseits die heutige Protestbewegung ignorieren, verspotten oder bekämpfen! Falls aber der Piratenpartei in drei Wochen der Einzug in den deutschen Bundestag gelingen sollte und die Opposition damit keine außerparlamentarische bleiben muss, wird die Politik gezwungen sein, sich sachlich mit den jungen Aktivisten auseinanderzusetzen.

Vielleicht muss sich Geschichte doch nicht immer wiederholen.

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